Sumi-e mit Karin Fröhlich

Vorbereiteter Kurstisch mit Pinseln, Tusche, Wassergefäßen und Papier für einen Sumi-e-Bambuskurs.

Sumi-e – mit Bambus durch den Sommer

Im Sommer stand in meinen Sumi-e-Kursen im Atelierprojekt der Bambus im Mittelpunkt. Er gehört zu den klassischen Motiven der japanischen Tuschmalerei und verbindet auf besondere Weise Klarheit, Rhythmus und Lebendigkeit.

Im Kurs geht es nicht darum, ein Motiv einfach abzubilden. Die Teilnehmenden lernen, wie aus Haltung, Pinselbewegung, Tusche und Papier eine Form entsteht. Gerade beim Bambus wird sichtbar, wie viel Ausdruck in einem einzelnen Pinselstrich liegen kann: im Aufbau des Halmes, in der Bewegung der Blätter, in der Verteilung von Schwarz, Grau und Weiß – den „sieben Farben der Tusche“.

Wir beginnen mit Übungen und Wiederholungen. Nach und nach entstehen kräftige Bambusstangen, gegliedert durch dunkle Bambusknoten, oder zarte Bambusrohre, die sich im Wind biegen. Blätter werden einzeln oder in Gruppen nach klassischen Vorlagen kombiniert. So entstehen Bildräume, in denen sich starkes Sonnenlicht auf den kräftigen Bambusstangen bricht. Obwohl alle mit demselben Motiv arbeiten, entwickeln sich sehr unterschiedliche Bilder und persönliche Handschriften.


Eine Teilnehmerin schrieb mir nach einem Kurs:

Sie haben so eine wunderbare Art, ihre Erfahrung, Können und Wissen weiterzugeben, dass es mich sehr bereichert und motiviert hat, die Tuschemalerei wieder aufzunehmen.

Und weiter:

Es war alles so liebevoll und einladend vorbereitet und es entstand im Laufe des Tages eine aufgeschlossene Gruppenatmosphäre.

Angelika Eisermann

Diese Rückmeldung beschreibt etwas, das mir in meinen Kursen besonders wichtig ist: konzentriertes Arbeiten, eine offene Atmosphäre und zugleich genügend Raum, das Gelernte auf die eigene Weise umzusetzen.

Konzentriertes gemeinsames Arbeiten – jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer entwickelt aus den Übungen eine eigene Bildsprache.
Hand mit Sumi-e-Pinsel beim Malen eines Bambusmotivs in schwarzer Tusche auf Papier.

Konzentriertes gemeinsames Arbeiten – jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer entwickelt aus den Übungen eine eigene Bildsprache.

Mit wenigen Pinselzügen entstehen Bambusstangen, Knoten und Blätter – jeder Strich bleibt sichtbar.

Vom Übungsblatt zum eigenen Bild

Bei den Jahreszeitenkursen und auch bei den thematischen Sumi-e-Kursen ist es mein Wunsch, dass am Ende der drei Stunden der Schritt vom Üben zum eigenen Bild möglich wird.

Dafür verwende ich gern ein Shikishi – einen festen japanischen Malkarton, dessen Vorderseite mit Japanpapier bespannt ist. Die Rückseite besteht aus festem Karton und ist häufig mit feinen Gold- oder Silberpartikeln besprenkelt. Ein schmaler Goldrand fasst das Bild ein.

Ich versuche meine Teilnehmer*innen zu ermutigen, nach den vielen Übungen den Pinsel noch einmal neu anzusetzen und beispielsweise ihren Bambus auf diesen besonderen Bildträger zu malen. Dieser Moment braucht manchmal ein wenig Mut: Die vorher geübten Bewegungen sollen nun frei und selbstverständlich werden.

Shikishi mit Bambusmalerei, handschriftlichem Haiku und rotem Stempel.

Das fertige Bild kann durch ein Haiku ergänzt werden. Die Verbindung von Haiku und Malerei wird in der japanischen Kunst Haiga genannt. Bild und Dichtung stehen dabei miteinander in Beziehung, ohne dass das eine das andere lediglich illustrieren muss.

Wer weiter in die Welt des Haiku eintauchen möchte, dem empfehle ich in meinen Kursen gern Hoshitori Haiku. Dort finden sich auch klassische Haiku zum Bambus, und jeden Sonntag kann man sich ein Haiku ins eigene Postfach schicken lassen.

Zum Abschluss kann das Bild mit einem roten Mottostempel versehen werden. In meinen Kursen verwende ich zwei verschiedene Stempel: Der eine steht für Freude, der andere für das tapfere, ehrliche Herz.

So entsteht am Ende nicht einfach eine weitere Übung, sondern ein kleines eigenständiges Bild, das mit nach Hause genommen werden kann.

Bambusmalerei entsteht mit schwarzer Tusche auf einem japanischen Shikishi-Malkarton.
Ein roter japanischer Mottostempel wird auf eine fertige Sumi-e-Bambusmalerei gesetzt.

Nach den Übungen folgt der Schritt zum eigenen Bild: Der Bambus wird auf ein Shikishi gemalt.

Bambus, Haiku und roter Stempel verbinden sich auf dem Shikishi zu einem Haiga.

Durch die Jahreszeiten

Nach dem Bambus führt der Weg weiter durch die Jahreszeiten. Im November steht die Chrysantheme für den Herbst im Mittelpunkt. Im Januar beginnt mit der Pflaumenblüte für den Winter ein neuer Reigen der Jahreszeitenkurse.

Daneben gibt es thematische Kurse, in denen wir weitere Motive und Bildwelten der Tuschmalerei kennenlernen.

Für alle, die neu einsteigen möchten, bildet der Einführungskurs Die vier Kostbarkeiten die Grundlage und Voraussetzung für die weiterführenden Kurse. Dort werden Pinsel, Tusche, Reibstein und Papier vorgestellt und die grundlegenden Pinselbewegungen erarbeitet.

Ich freue mich auf viele weitere gemeinsame Stunden mit Pinsel und Tusche im Atelierprojekt.

Karin Fröhlich, Bildende Künstlerin

Fertiges Shikishi mit Bambusmalerei, Schrift und rotem Mottostempel.

Ein fertiges Shikishi mit Bambus, Schrift und dem roten Mottostempel für Freude.

Website von Karin Fröhlich

Kurse von Karin Fröhlich

Interview mit Karin Fröhlich